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Bewerbungsunterlagen

Bevor Sie Ihre Bewerbungsunterlagen zusammenstellen, sollten Sie genau über Ihre Persönlichkeit und Ihre Kompetenzen reflektieren. Genau definierte Ziele (wo sehen Sie sich in 5 Jahren?), eine gute Selbskenntnis (Stärken und Schwächen) sowie ein genaues Profil Ihrer beruflichen und sozialen Kompetenzen werden Ihnen bei Ihrem Projekt sehr helfen.

In Frankreich entspricht die Bewerbung der deutschen sog. Kurzbewerbung. Die Bewerbungsunterlagen bestehen aus einem Lebenslauf und einem Anschreiben. Es werden keine Zeugnisse verlangt (halten Sie aber eventuell für das Vorstellungsgespräch Kopien Ihrer Abschlüsse / Zeugnisse und deren Übersetzung parat).

Heutzutage werden Bewerbungsunterlagen meistens per Mail zugeschickt. Jedoch sollte man sich beim Arbeitgeber informieren, ob die Unterlagen per Post und ggf. mit handschriftlichem Bewerbungsbrief zugeschickt werden sollten.

Lebenslauf

Maximal eine Seite lang. Achten Sie auf ein „ruhiges“ Layout und gehen Sie wie in Deutschland sparsam mit Schriftarten, Schriftgrößen und Effekten um.

Weit verbreitet ist eine den Bewerber definierende Überschrift (siehe Muster). „C.V.“ oder „Curriculum Vitae“ wird jedoch in Frankreich nicht als Überschrift verwendet. Besser ist es dann, keine Überschrift zu haben.

FAMILIENNAME (Großgeschrieben) und Vorname fett hervorgehoben, links oben, dann Adresse und Telefonnummer/E-mail Adresse, unter der Sie erreichbar sind.

Der Lebenslauf kann mit oder ohne Foto geschickt werden. Wenn Sie ein Foto einfügen, reicht ein Foto aus dem Automaten. Lächeln Sie, gucken Sie Ihr Gegenüber an und achten Sie, wie in Deutschland, auf Ihr Aussehen (in der Regel „konservative“ Kleidung: z.B. für Männer Bluse/Hemd mit Krawatte und Jackett/ Sakko).

Es gibt keine Rubrik „Zur Person“. Persönliche Angaben (Alter oder Geburtsdatum, Status und Nationalität) werden unter die Adresse geschrieben oder – wenn Sie Ihren Lebenslauf ohne Foto einreichen – rechts gegenüber der Adresse.

Klassisch ist die chronologische Reihenfolge. Sie können aber auch mit der letzten Erfahrung/Ausbildung anfangen. Wichtig ist, dass Sie konsequent dasselbe System für alle Rubriken benutzen.

Verzichten Sie auf die Rubrik „Eltern“. In Frankreich ist man an Ihrer Person interessiert, weniger an Ihrer Familie.

Es gibt in Frankreich keine Rubrik „Schulbildung“. Fangen Sie also mit dem Abitur oder mit dem Schulabschluss an (bspw. mit der Rubrik „Formation“) und beschreiben Sie Ihren Bildungsweg danach.

Die genaue Angabe der Monate im Werdegang ist nicht zwingend notwendig. Dies ermöglicht es, bei kleinen Lücken im Lebenslauf ungenau zu bleiben. Bei längeren Lücken sollten Sie jedoch am besten dazu stehen und erklären, was Sie in der Zeit gemacht haben.

Eine Rubrik zum Thema Sprachen ist unerlässlich. Geben Sie Ihr Sprachniveau genau (niveau débutant / connaissances de base, niveau moyen, niveau avancé, couramment lu, écrit, parlé, bilingue) und Ihre Auslandsaufenthalte mit Datum an.

Ein französischer Lebenslauf wird weder datiert noch unterschrieben.

Siehe auch:

Muster eines französischen Lebenslaufs

Entsprechungen der Abschlüsse Deutschland-Frankreich

Bewerbungsschreiben

Das Anschreiben richtet sich immer an einen konkreten Ansprechpartner.

Die Begrüßungsformel ist entweder Madame, oder Monsieur, – ohne den Namen in der Anrede zu nennen. Dafür ist der Name in der Anschrift des Adressaten genau zu nennen.

Der Brief wird in 3 Absätzen aufgebaut:

  1. Sie (sind ein Unternehmen/Organisation, die auf dem Markt/Gebiet seit x Jahren tätig ist und sich dynamisch entwickelt – o.ä. Deshalb bin ich sehr an einem Praktikum/einer Stelle in diesem Unternehmen / dieser Organisation interessiert.)
  2. Ich (habe eine Berufsausbildung / Studium abgeschlossen, oder habe Erfahrung in dem und dem Bereich gesammelt und war darin erfolgreich. Ich spreche Französisch [Niveau angeben] und habe vor, mich vor Beginn des Praktikums/der Arbeit zusätzlich noch sprachlich vorzubereiten.)
  3. Wir (Mit dem, was ich mitbringe, könnte ich effektiv Ihre Abteilung X unterstützen. Dank meiner Motivation und der Fähigkeit, mir schnell neue Gebiete zu erschließen, möchte ich gern dazu beitragen, dass Ihr Unternehmen seine Ziele erreicht / seine Position im Markt ausbaut. Deshalb würde ich mich freuen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen / die Gelegenheit wahrnehmen, Sie von meinem starken Interesse zu überzeugen, und stehe Ihnen auch gern telefonisch zur Verfügung.)

Heben Sie die (positiven) Merkmale Ihrer Persönlichkeit und Ihre Motivation hervor, dies zählt bei französischen Unternehmen besonders viel.

Schlussformel (klassische Variante): „Veuillez agréer, Madame, (oder Monsieur,) l’expression de mes salutations les meilleures / de ma respectueuse considération.“

Der Brief muss eventuell per Hand geschrieben werden. (Dies hängt von der Art der Beschäftigung ab: Im Allgemeinen ist es für ein Praktikum / eine Aushilfstätigkeit o.ä. nicht nötig.)
Einige Unternehmen benutzen noch graphologische Analysen, um die Persönlichkeit der Bewerber einzuschätzen. Desweiteren wird ein handgeschriebener Brief oft als persönlicher empfunden. Bei einem maschinell erstellten Brief gehen einige Arbeitgeber davon aus, dass es sich um ein Standardanschreiben handelt.

Zeugnisse

Es werden i.d.R. keine Zeugnisse verlangt; es ist in Frankreich unüblich, diese mit der Bewerbung einzureichen. Das kann auch als Chance betrachtet werden: Falls Sie eine schlechte Erfahrung mit einem Arbeitgeber hatten und dies im Zeugnis zu spüren ist, vermeiden Sie einen schlechten Eindruck beim nächsten Arbeitgeber und bekommen somit eine neue Chance.

Da Sie ein solches Dokument in Deutschland nach Ihrem Frankreichaufenthalt aber brauchen werden, vergessen Sie nicht, Ihren französischen Arbeitgeber am Ende Ihres Praktikums oder Jobs um ein Zeugnis zu bitten. Da man sich um diese in Frankreich nicht übliche Aufgabe nicht reißen wird, erleichtern Sie Ihrem Arbeitgeber das Leben, wenn Sie ihm sogar einen Entwurf vorbereiten, auf den er sich stützen kann. Damit werden Ihnen auch eine Menge Nachfragen und Wartezeit erspart.

Vorstellungsgespräch

Wenn Sie Ihre Bewerbung geschickt haben, warten Sie nicht zu lange ab, bis man Sie zurückruft. Rufen Sie selbst (nach ca. 8-10 Tagen) an. Erfahrungsgemäß ist es in Frankreich selten, zurückgerufen zu werden (man geht davon aus, dass Sie etwas vom Unternehmen wollen). Rufen Sie auch dann an, wenn man Ihnen versprochen hat, dass Sie zurückgerufen werden!

Vorstellungsgespräche in Frankreich oder bei französischen Unternehmen verlaufen ein wenig anders als in Deutschland.

Ihre Bewerbungsunterlagen haben etwas über Sie ausgesagt. Ziel des Vorstellungsgesprächs für den Arbeitgeber ist es jetzt herauszufinden, ob Sie als Bewerber zum Unternehmen und in das Team passen. Deshalb werden Sie angeregt, über Ihre Persönlichkeit und Ihre Fähigkeiten zu sprechen, über Ihr Berufsprojekt. Man wird Sie bitten, über Ihre bisherigen Erfahrungen zu berichten, usw. Das Vorstellungsgespräch ist ein mündlicher Test und eine Prüfungssituation, auf die man sich gut vorbereiten sollte, insbesondere, wenn sie nicht in der eigenen Muttersprache erfolgt.

In Frankreich sagt man: „On n’a pas deux fois la chance de faire une première bonne impression“ (man bekommt nicht zweimal die Chance, einen guten ersten Eindruck zu machen).

Vorbereitung

Versuchen Sie, sich so gut wie möglich sprachlich vorzubereiten. Es werden Ihnen beim Gespräch viele Fragen gestellt werden, die eigentlich mehr mit Ihrer Persönlichkeit zu tun haben als mit Ihrer beruflichen Qualifikation und Ihren Fachkenntnissen. Man geht im Allgemeinen davon aus, dass die Aussagen Ihres Lebenslaufes bezüglich Ihres Bildungswerdeganges einfach stimmen, und wird eher herausfinden wollen, ob Sie zum Unternehmen passen.

Vergessen Sie auch nicht, dass ein Vorstellungsgespräch, egal ob in Deutschland oder Frankreich, ein Dialog sein sollte, auch wenn es Ihnen bei Ihren ersten Bewerbungsgesprächen nicht so vorkommt. Sie dürfen auch Fragen stellen, es ist sogar erwünscht und zeugt von Ihrem Interesse für das Unternehmen. Verschönern Sie oder verschweigen Sie keine Aspekte Ihrer Laufbahn oder Persönlichkeit, aber halten Sie überzeugende Antworten darauf parat, um nicht verunsichert zu werden, wenn man Sie darauf anspricht. Seien Sie auf der anderen Seite nicht zu bescheiden.

Wenn das Bewerbungsgespräch per Telefon oder Skype (was immer ofter vorkommt) stattfindet, während Sie noch in Deutschland sind, gelten ähnliche Regeln. Seien Sie gut vorbereitet, was die Tätigkeit der Firma oder der Branche angeht und unterstreichen Sie den Nutzen, den Sie dem Unternehmen bringen würden.

Erstkontakt

Es kann sein, dass man Sie eine Zeitlang warten lässt (bis ½ Stunde), um Sie ein wenig unter Druck zu setzen. Seien Sie trotzdem pünktlich.

Vergessen Sie nicht die Begrüßung, den Händedruck und die Vorstellung. Warten Sie, bis Ihr Gesprächspartner sich hingesetzt hat, bevor Sie es selbst tun. Schauen Sie ihm immer in die Augen, ohne ihn dabei anzustarren.

Zur Begrüßung können Sie z.B. sagen:

Wenn Sie nicht gewartet haben und direkt auf Ihren Gesprächspartner zugehen können: « Bonjour Madame, je suis Ingo F., nous avons rendez-vous, je viens pour le poste de stagiaire dans votre service“.
Wenn Sie gewartet haben und von einer anderen Person empfangen wurden: « Bonjour Monsieur, je suis Kathrin G., très heureuse de faire votre connaissance » oder « très heureuse de vous rencontrer ».

Zeigen Sie Persönlichkeit und Motivation, es kann entscheidender sein als mancher Abschluss! Sprechen Sie von Ihren beruflichen Zielen und bereiten Sie sich darauf vor, dies auf Französisch zu tun.

Bereiten Sie sich auf die häufigsten Fragen vor:

  1. Welche sind Ihre wichtigsten Stärken? Ihre wichtigsten Schwächen? Stellen Sie dar, wie auch Schwächen eine gute Seite für das Unternehmen / die Organisation sein können (z.B. Sie brauchen mehr Zeit, sind dafür aber sehr gründlich oder präzise in Ihrer Arbeit).
  2. Warum möchten Sie bei uns arbeiten? (Sie haben Information über das Unternehmen gesammelt und wissen, was es macht/produziert/liefert, und das ist ein Bereich, in dem Sie arbeiten möchten/ den Sie kennen lernen möchten.)
  3. Weshalb sollten wir Sie Ihrer Meinung nach einstellen? (Sie können über Ihre Kompetenzen, Erfahrungen, Fähigkeiten sprechen und sie in Verbindung mit dem Unternehmen / dem Projekt bringen).

Zeigen Sie Ihrem Ansprechpartner, dass Sie ihn ernst nehmen (gepflegte Unterlagen, gepflegtes Aussehen, Höflichkeit, positive Einstellung, Seriosität).

Seien Sie nicht zu bescheiden und schränken Sie Ihre Wirkungsmöglichkeiten nicht zu sehr ein. Zeigen Sie Aufgeschlossenheit neuen Aufgaben gegenüber.

Bevor Sie auseinandergehen, fragen Sie Ihren Ansprechpartner, wer von Ihnen den Kontakt wieder aufnehmen soll, und wann Sie mit einer Antwort rechnen können. Erkundigen Sie sich auch, ob weitere Gespräche geplant sind, wenn Sie in die engere Auswahl genommen werden.

Viel Erfolg!

Stand: 2013-08-22