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Austauschprojekte

Rückblick auf die deutsch-französisch-tunesische Begegnung „Vom Bildschirm in die Realität“, die im Juli 2019 in Marseille und im Oktober 2019 in La Marsa in Tunesien stattgefunden hat

By 15 November 2019 Dezember 5th, 2019 No Comments

von Elisa Meynier

Junge Menschen aus den Jugendsozialzentren Frais Vallon in Marseille, Outreach in Berlin-Reinickendorf sowie aus dem tunesischen Bezirk Ibn Khaldoun-Tunis nehmen an einer deutsch-französisch-tunesischen Begegnung zum Thema kritisches Denken, soziale Netzwerke und Fake News teil.

Die jungen Menschen hatten direkt beim ersten Treffen in Marseille vom 20. bis 27. Juli 2019 eine Verbindung zueinander. Die Gruppe wurde in der „École Lacordaire“ untergebracht, einer großen Privatschule mit einem schönen Gelände, das unser Partner „Une Terre Culturelle“ im Sommer mietet. Andere internationale Gruppen waren zur gleichen Zeit wie wir auch dort, was dem Ort ein internationales Flair verlieh.

Während der ersten Woche lernten sich die jungen Menschen aus den drei Ländern kennen und lernten, zusammen zu leben. Sprachanimationen und kleine Sprachspiele mit Wörtern aus allen drei Sprachen ermöglichten es den Teilnehmenden, mit verschiedenen Wörtern in verschiedenen Sprachen miteinander zu kommunizieren. Die Tatsache, dass in der deutschen Gruppe mehrere arabischsprachige Neuberliner waren,  erleichterte die Kommunikation innerhalb der großen Gruppe und schaffte Zusammenhalt.

Dennoch hatten unsere Teilnehmenden Schwierigkeiten, sich während der themenorientierten Workshops an das Arbeitstempo anzupassen und sich zu konzentrieren. Diese Erfahrung  ist für alle bereichernd gewesen, sowohl für die jungen Teilnehmenden, die ihre Grenzen überwinden mussten  und mit neuen Erwartungen und Einschränkungen konfrontiert wurden, als auch für das pädagogische Team, das Anpassungsfähigkeit und pädagogische Kreativität unter Beweis stellen musste, um mit der Gruppe an deren Frustrationstoleranz und Konzentrationsfähigkeiten zu arbeiten.

Das Team hat auch viel aus seinen eigenen Unterschieden gelernt, da die lokalen Gegebenheiten und pädagogischen Grundlagen von Land zu Land sehr unterschiedlich sein können. Die Woche in Marseille war natürlich auch die Gelegenheit, um das Mittelmeer – so schön zu dieser Jahreszeit! – zu genießen.

Viele dieser jungen Menschen weisen zwar einen nicht geradlinigen Bildungsweg auf und sind manchmal schwierigen Situationen ausgesetzt, aber sie haben dennoch große Solidarität und soziale Kompetenz bewiesen.  Mit der Woche in Marseille, der ersten Etappe ihres gemeinsamen Projekts, sind alle ein Stück weit erwachsener geworden.

Drei Monate später traf sich die Gruppe zur zweiten Phase der Begegnung in La Marsa bei Tunis. Das in der ersten Woche erlangte Wissen war deutlich zu merken und die Gruppendynamik funktionierte reibungslos. Frustrationen und Konflikte der ersten Woche tauschten nicht wieder auf, und das Programm wurde von der ganzen Gruppe entspannt und mit Freude aufgenommen.

Auch das pädagogische Team, bestärkt durch die Erfahrungen aus der ersten Woche, hat diese zweite Phase und die Begeisterungsfähigkeit der Jugendlichen genossen. Was für ein Vergnügen, die Früchte der eigenen Arbeit zu sehen! Inhaltlich arbeitete die Gruppe speziell an den Themen Rassismus, Homophobie und Cyber-Mobbing.

Unsere Unterkunft war einfach, aber ideal am Meer in einer Küstenstadt gelegen. Auch wenn die Landschaft idyllisch war, war unsere schlichte Unterkunft auch von geflüchteten Menschen bewohnt, die seit acht Jahren in Tunesien festsitzen. Mehrere Dutzend Asylbewerber warten dort verzweifelt auf ihren Flüchtlingsstatus. Ihre Anwesenheit ermöglichte es der Gruppe, mehr über ihre Situation zu erfahren und die eigenen Frustrationen stark zu relativieren.

Die Berliner Gruppe ist dabei, sich auf die dritte Woche in Berlin im Juli 2020 vorzubereiten. Alle freuen sich jetzt schon, bald ihre Stadt präsentieren zu können und unseren Freunden aus Frankreich und Tunesien einen wunderschönen Empfang zu bereiten.

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